Datum: 08.02.2012

Die Blutegel - Therapie



Der Fortschritt in der Medizin vollzieht sich nicht nur auf dem Gebiet der Erforschung und Entwicklung neuer chemischer Wirkstoffe, sondern schließt auch den Einsatz pflanzlicher und tierischer Stoffe mit ein.

Nicht immer wird dabei bloß der medizinisch wirksame Teil isoliert verabreicht, sondern auch, wie am Beispiel der Blutegeltherapie deutlich wird, die besondere Eigenschaft eines Tieres zu Nutzen gemacht.

War beispielsweise der Einsatz von Blutegeln, obschon im Mittelalter weit verbreitet, lange Zeit in Vergessenheit geraten, ist er heute populärer denn je. Eine weitgehend Schmerz- und Nebenwirkungsfreie Anwendung tragen sicher dazu bei. 

Die Wirkweise beruht auf der Eigenschaft des Egels, einen die Blutgerinnung hemmenden Stoff, das so genannte Hirudin, in die Bisswunde abzusondern. Ein weiterer Gerinnungshemmer ist das im Speichel des Egels, der als Salvia bezeichnet wird, vorkommende Calin, das noch langsamer wirkt und die Wunde bis zu 12 Stunden nachbluten lässt. Das hat, ähnlich wie bei einem klassischen Aderlass, einen reinigenden und beruhigenden Effekt.

In der Hauptsache erfolgt der Einsatz von medizinischen Blutegeln an Patienten mit Arthrosen, Rheuma, Gicht, Stauungen in Venen und Lymphgefäßen, sowie Venenentzündungen mit Thrombosen. Aber auch nach plastisch – chirurgischen Eingriffen wie etwa der Replantation von Gliedmaßen, findet diese Form der Unfallchirurgischen Versorgung Verwendung.

Kann die arterielle Versorgung der betroffenen Areale zwar wiederhergestellt werden, ist die Gewährleistung des Abflusses venösen Blutes ein Problem, da es erst nach circa einer Woche zu einer Neubildung von Kapillaren kommt.

Dabei sorgt der Egel für die Beseitigung der Stauung des venösen Blutes, indem er etwa 10ml Blut aufnimmt (eine Menge, die ausreicht um ihn 1-2 Jahre am Leben zu halten) und ungefähr weiteren 50ml, die während der Nachblutung ausgeleitet werden. Die Schmerzintensität beim Ansetzen des Blutegels ist in etwa so, wie beim Kontakt mit Brennnesseln. Eine Anwendungsdauer von 15 bis 30 Minuten ist üblich, kann aber auch in Einzelfällen bis zu drei Stunden in Anspruch nehmen.

Der Egel löst sich von selbst ab, wenn er sich voll gesaugt hat, er darf nicht gewaltsam entfernt werden. Eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Kranken- kassen ist aktuell nicht vorgesehen.

Autor: Redaktion


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