Datum: 04.02.2012

Die Bewältigung von Finanzkrisen in mittelständischen Unternehmen verlangt externe Experten



Die erfolgreiche Bewältigung von Finanzkrisen in kleinen und mittleren Unternehmen ist ohne externen Expertenrat kaum möglich. Dabei sind es nicht nur mangelndes Wissen und fehlende Erfahrung des Unternehmers über den Umgang mit der Krise und über die zu ergreifenden Maßnahmen, die dies bedingen, sondern dem Unternehmer fehlt es schlicht an Zeit.

Business ist wie Fliegen – entweder man bleibt in Bewegung oder man stürzt ab. Ein Unternehmer muss jederzeit 100% Einsatz bringen. Er muss immer wieder neu auf die Herausforderungen des Marktes reagieren. Und die Märkte werden immer zappeliger. Was heute ein Renner am Markt ist, kann morgen schon ein alter Hut sein. Der Unternehmer der diese Entwicklung verschläft, gerät in eine Existenzkrise und wenn er durch geeignete Maßnahmen nicht früh genug gegensteuert, gerät er in eine Finanzkrise, sein Unternehmen ist von Zahlungsunfähigkeit bedroht. In der Finanzkrise ist die kurzfristige Liquidität nicht mehr vorhanden, die Banklinien sind voll ausgenutzt oder die Konten sogar überzogen, die Lieferanten werden schleppend bezahlt, erste Lastschriften gibt die Hausbank wegen fehlender Kontodeckung zurück, die Zahlung der Umsatzsteuer, der Leasingraten oder andere etwas größerer monatlicher Einmalaufwendungen werden zum Kraftakt.

Da kleine und mittlere Unternehmen in der Regel nicht über eine eigene Controllingabteilung verfügen, fehlen fachlich kompetente Mitarbeiter, die dem Unternehmer in dieser schwierigen Situation beistehen können. Der Unternehmer ist auf sich allein gestellt. Er muss sich zwangsläufig um Dinge kümmern, die nicht sein eigentliches Geschäft sind und die in der Regel auch nicht seine Stärken sind.

Es beginnt der Teufelskreis: Der Unternehmer wird zum Krisenmanager, er vernachlässigt sein eigentliches Geschäft, wodurch sich die Situation weiter verschärft

 

Und bei allem muss er dabei noch nach außen Zuversicht und Erfolg ausstrahlen, denn

  • Kunden geben nur Aufträge, wenn sie sicher sind, dass das Unternehmen auch liefert oder die bestellte Leistung erbringt,
  • Lieferanten liefern nur auf Kredit, wenn sie sicher sind, dass sie Ihr Geld auch erhalten
  • Mitarbeiter (vor allem die guten) bleiben nur im Unternehmen, wenn sie für sich einen sicheren Arbeitsplatz mit Entwicklungsmöglichkeiten sehen,
  • Banken kündigen nur dann nicht die Konten, wenn sie an den Fortbestand des Unternehmens glauben

Kurz gesagt, der Unternehmer hat eine erdrückende Vielzahl von Problemen, denen er mehr der weniger allein gegenübersteht.

Ohne kompetente Hilfe von außen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewältigung der Krise dem Unternehmer gelingt, gering. Vor allem bei den Banken ist es sehr schwierig einmal verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen.

Auf Unternehmenskrisen spezialisierte Fachleute können hier helfen. Zu raten ist zu Krisen erfahrenen, umsetzungsorientierten Unternehmensberatern. Am sinnvollsten ist aber die Beschäftigung eines krisenerfahrenen  Interimsmanagers – weiblich oder männlich - , der dem Unternehmer als verantwortlicher Führungskraft auf Zeit, z.B. als Controller, bei der Durchführung der notwendigen Sanierungsschritte hilft.

Auch wenn jeder Fall anders ist, im Krisenmanagement ist schnelles, strategisch gut überlegtes und konsequentes Handeln unabdingbare Voraussetzung. Dabei unterteilen sich die notwendigen Maßnahmen in drei Schritte

  • Kurzfristige Schöpfung von Liquidität durch geeignete eigene Maßnahmen
  • Einführung eines Finanzcontrollings und Gewinnung der Hausbanken für die Sanierungsbegleitung
  • Beseitigung der Krisenursachen

Zu den schnell zu ergreifenden eigenen Maßnahmen gehört z.B. ein stringentes, auf Zahlungseingang fokussiertes Forderungsmanagement, ein Lagerabbau durch rabattgestützte Sonderverkäufe, der Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Anlagegütern, die Einführung eines Bestellstopps oder die Erreichung von Zahlungsstreckungen bei Lieferanten und dem Finanzamt. Ein erfahrener Interimsmanager wird wissen was für den betroffenen Betrieb notwendig ist.

  

Der Einführung eines aussagefähigen Finanzcontrollings kommt beim Krisenmanagement eine zentrale Rolle zu, denn es ist in der Regel Vorrausetzung für ein erstes, erfolgreiches Bankgespräch und damit einer möglichen  Begleitung der Sanierung durch die Hausbanken. 

Kernmaßnahme des Finanzcontrollings ist die Erstellung eines Liquiditätsplans. Ein solcher Liquiditätsplan stellt erwartete Einnahmen und Ausgaben unter Einbezug der Resultate aus den liquiditätsschöpfenden Kurzfristmaßnahmen gegenüber und saldiert sie mit den verfügbaren Banklinien. Ein künftiges Liquiditätsloch, etwa zum Steuertermin

 

oder zum Tag der Lohnzahlung, wird so sichtbar. Der Liquiditätsplan sollte der Bank vorgelegt werden. In der Regel enthält er Ausgabenspitzen, die ohne zusätzliche Kredite nicht bewältigt werden können. Eine Bank wird aber nur zusätzliche Geldmittel einem Unternehmen zur Verfügung stellen, wenn sie weiß, wann der Kredit zurückgeführt werden kann. Auch dies ist aus einem Liquiditätspan abzulesen.

Zum dritten Punkt, der Beseitigung der Krisenursachen ist zu anfangs vor allem eines zu sagen:  Die bei Unternehmern weit verbreitete Auffassung die „allgemeine wirtschaftliche Lage“ sei schuld an der Finanzkrise und wenn sich die Lage ändere dann verbessere sich auch wieder die Unternehmenssituation, wird keine Bank zur Bereitstellung von frischem Geld bewegen. Gefragt ist ein Restrukturierungskonzept, das rational und plausibel vorrechnet, wie mit einem möglichst geringen Risiko das Überleben des Unternehmens erreicht werden soll.

In einem Restrukturierungskonzept muss vor allem den Banken eine nachvollziehbare Perspektive aufgezeigt werden, wie sie ihre ausgeliehenen Gelder wieder zurückerhalten bzw. Teile davon sichern können. Ein versierter Interimsmanager wird ein solches, auf die besonderen Umstände des gefährdeten Unternehmens abgestimmtes Sanierungskonzept, erstellen können. Häufig, vor allem bei größeren mittelständischen Unternehmen, ist zusätzlich auch die Mithilfe eines unabhängigen erfahrenen Unternehmensberaters oder die Hinzuziehung einer spezialisierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft üblich.

Entscheidet sich eine Bank dem Unternehmer mit neuen Krediten zu helfen, so wird sie immer zweierlei verlangen:

  • umfangreiche, zeitnahe Unternehmensinformationen
  • die Beseitigung der Krisenursachen

 

Auch wenn der Unternehmer immer der erste Ansprechpartner der Banken ist, so ist ihm doch zu einem krisenerfahrenen externen Experten, zu einem spezialisierten Interim Manager oder spezialisierten umsetzungsorientierten Unternehmensberater an seiner Seite zu raten. Banken übertragen ausfallgefährdete Kreditengagements auf krisenerprobte Spezialabteilungen. Dort sitzen Spezialisten, die vor allem eines haben, ein intensives Informationsbedürfnis. Ohne ein aussagefähiges Controlling, ohne einen kompetenten, erfahrenen Controller, der die Sprache dieser Spezialisten versteht, der unterscheiden kann, was wichtig und was weniger wichtig ist, wird es dem Unternehmen nicht gelingen, dieses enorme Informationsverlangen zu befriedigen und das verlorenes Vertrauen der Banken zurückzugewinnen.

 

Autor:

Dieter Masshoefer

Steilbachstr. 13

56759 Kaisersesch

Tel.: 02653 - 8717

Mobil: 0172 - 23 25 705

Fax: 02653 - 91 24 62

E-Mail: masdie2(at)web.de

Web: http://www.masshoefer-consulting.de/

 

Zum ausführlichen Autorenprofil geht's hier


_