Datum: 04.02.2012

Firmenwagen Besteuerung



Das Finanzamt kommt chinesisch oder was der Chi-Quadrat Test im Zusammenhang mit der Firmenwagen-Besteuerung bedeutet.

 

Dem Geschäftsführer einer GmbH, der allein vertretungsberechtigt war, wurde für seine Privatfahrten ein Firmenwagen gestellt. Dabei wurde versäumt, den geldwerten Vorteil, den er durch die private Nutzung eines Firmenwagens für private Zwecke hatte, zu versteuern.

Bei einer Außenprüfung des für die Lohnsteuer zuständigen Finanzamtes wurde dem Prüfer ein Fahrtenbuch übergeben. Dieses Fahrtenbuch wurde aber, auch wegen fehlender Belege für Tankquittungen oder Reparaturrechnungen, vom Prüfer nicht anerkannt. Der geldwerte Vorteil wurde nach der 1%-Regelung bemessen, d.h. daß sich die private Nutzung des Firmenwagens mit 1% vom Brutto-Listenpreis des Wagens als zusätzliched EInahme/Monat niederschlägt. Bei einem Firmenwagen mit einem Anschaffungswert von 40.000 Euro sind dies bereits 400 Euro, die Monat für Monat wie ein reguläres Einkommen steuerlich wirksam werden.

Der Geschäftsführer legte hiergegen Widerspruch ein aber das Finanzgericht wies die Klage zurück. Zur Begründung verwies das Finanzgericht darauf, dass kein ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch vorgelegt wurde. Die im Nachhinein erstellte Reinschrift eines Fahrtenbuchs genügt den steuerlichen Ansprüchen nicht. Zudem wurden Uraufzeichnungen vorgelegt, die keine Jahresangabe und nur gerundete geschätzte Kilometerangaben enthielten. Start und Ziel jeder einzelnen betrieblich bedingten Fahrt sowie aufgesuchte Geschäftspartner wurden ebenfalls nicht aufgezeichnet.

 

Das Landgericht Münster entschied hierzu:

"Bereits aus diesem Grund ist das "Fahrtenbuch" nicht geeignet, die Anwendung der 1%-Regelung auszuschließen. Die gleichzeitig eingereichten Kostenbelege machen aber deutlich, dass die vorgelegten Aufzeichnungen inhaltlich nicht richtig sein können. Diese Einschätzung wird gestützt durch einen durchgeführten "Chi-Quadrat-Test".

Der "Chi-Quadrat-Test" ist eine mathematische Methode, bei der empirisch beobachtete mit theoretisch erwarteten Häufigkeiten verglichen werden. Im vorliegenden Fall beruht der Test auf der Annahme, dass die erste Stelle vor dem Komma bei den im Fahrtenbuch eingetragenen Betriebs- und Privatfahrten bei einer relativ großen Menge von Erfassungen (eingetragene Fahrten insoweit 434) gleich verteilt sind.

Die Anwendung im vorliegenden Fall bedeutet, dass signifikante Abweichungen von dem anzunehmenden "Chi-Quadrat-Test" festgestellt wurden. Die Eintragungen im Fahrtenbuch wurden für zwei Jahre vollständig ausgewertet und dabei mit 434 Eintragungen eine ausreichende Anzahl von Werten pro Klasse zugrunde gelegt (Minimum = 5 Punkte pro Klasse).

Der vorgefundene nach dieser Methode errechnete "Chi-Quadrat-Test-Wert" beträgt in den beiden Streitjahren 68,25 und weicht damit vom Signifikanzwert ganz erheblich ab. Dies war für das Finanzgericht ein starkes Indiz für Manipulationen bei den Aufzeichnungen der Tageskilometerzahlen.

Der "Chi-Quadrat-Test" ist eine statistische Methode, deren Anwendung auf der Erkenntnis gründet, dass jeder Mensch unbewusst Sympathien und Antipathien gegenüber bestimmten Zahlen hat. Bei rechnerisch ermittelten Zahlenkolonnen kann diese Methode nicht greifen. Ein einfaches Beispiel macht dies deutlich.

Trägt jemand in das Fahrtenbuch ausschließlich Tagesfahrten mit der Endziffer 9 ein, führt die Addition einer beliebigen Anzahl dieser Einzelfahrten zu einer gleichmäßigen Verteilung der Endziffern 1 - 0. Ein Vielfaches der Zahl 9 (1 x 9 = 9, 2 x 9 = 18 usw.) führt nämlich zu einem entsprechenden Auftreten der Ziffern 0 - 9."

Urteil des Finanzgericht Münster, Urteil vom 7.12.2005 (Az: 1 K 6384/03)

 

Nachtrag vom 26.2.2007:

Was genau ist der Chi-Quadrat Test?

Aufgrund der vielen Nachfragen zu meinem Artikel zum Fahrtenbuch möchte ich einmal für alle erklären, was der sogenannte Chi-Quadrat Test eigentlich ist.

Zum besseren Verständnis schauen wir uns einmal einen Spielwürfel an. Alle sechs Flächen des Würfels sind exakt gleich groß und mit den Zahlen von 1 bis 6 versehen. Ein Würfel ist so konstruiert, dass jede Zahl bei einer angemessenen Anzahl von Würfen in gleicher Häufigkeit vorkommt. Geht dies nicht auf, so ist der Würfel falsch konstruiert oder manipuliert.

Diese Erkenntnis der mathematischen Statistik bestimmt den Chi-Quadrat Test. Besteht bei Zahlen einer bestimmten Zahlenfolge für jede einzelne Zahl die Chance in gleicher Häufigkeit vorzukommen, dann sind diese Zahlen mengenmäßig gleich verteilt. Bei der Zahlenkolonne von 0-9 bedeutet dies, dass jede einzelne Zahl mengenmäßig gleich vorkommt, also jede Zahl hätte einen Anteil von 10% an der Gesamtmenge.

Untersucht man nun also eine genügend große Anzahl von Zahlenkolonnen, so muss jede Ziffer von 0 – 9 als Endziffer in der gleichen Menge vorkommen. Bei einem Abweichen von dieser Regel kann man dann annehmen, dass die Zahlenkolonnen manipuliert sind.

Hierzu ein konkretes Beispiel:

Ein Steuerprüfer kontrolliert die Kassenabrechnungen bei den Tageseinnahmen eines Kioskbesitzers. Der Kiosk hat an sieben Tagen in der Woche geöffnet, im Prüfungsjahr war er an 35 Tagen wegen Betriebsurlaubs geschlossen. Es lagen also 330 Tageseinnahmen vor. Der Prüfer untersuchte nun die letzte Ziffer vor dem Komma in den Kassenberichten. Nach dem Gesetz der Statistik müsste nun hier jede Ziffer von 0 bis 9 in gleicher Anzahl vorkommen, in unserem Beispiel also jeweils 33-Mal. Die Prüfung ergab folgendes Bild:

 

Ziffer
Tatsächl. vorgekommen
Es sollte sein
Differenz
Chi-Quadrat
0
16
33
-17
289
1
45
33
+12
144
2
66
33
+33
1089
3
26
33
-7
49
4
27
33
-6
36
5
43
33
+10
100
6
34
33
+1
1
7
59
33
+26
676
8
15
33
-18
324
9
22
33
-11
121
 
 
 
 
2829 : 33=85,7

 

Jede Differenz zu den Wahrscheinlichkeitszahlen wird mit sich selbst mal genommen, man sagt auch die Zahl wird zum Quadrat genommen. Das Ergebnis sehen Sie in der letzten Spalte. Rechnet man diese Ergebnisse nun alle zusammen und teilt das Ergebnis anschließend durch die erwartete Zahl, so bekommt man den Chi-Wert, in unserem Beispiel also 85,7.

Bei einem Chi-Wert zwischen 21 und 30 besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass an den Zahlen manipuliert wurde, bei Werten über 30 kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einer Manipulation ausgehen.

Wichtig ist aber, dass eine genügende große Anzahl von Zahlen dem Chi-Test zugrunde liegt. Darauf sollten Sie auch bei einer Prüfung achten.

Denken Sie also daran, ob es beim nächsten Mal nicht doch besser ist, sein Fahrzeug nach der 1,5 % Regel für den Privatanteil zu berechnen. Die andere Variante wäre, ein nachträglich erstelltes Fahrtenbuch nach den Regeln auszustellen, aber dies wird Sie sehr viel Zeit kosten und Sie übersehen vielleicht andere Fallen wie Reparaturrechnungen mit KM-Ständen oder ähnliches.

Daher mein Rat an alle: Ehrlichkeit zahlt sich am schnellsten aus.

 

Autor:

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