Viele junge Unternehmen scheitern am konjunkturellen Aufschwung
Bei anziehender Konjunktur erhalten alle Unternehmen mehr Aufträge. Dies gilt natürlich auch für schwache Unternehmen an der Schwelle zur Insolvenz und für neu gegründete Unternehmen, die noch nicht ihren Platz als Anbieter im Markt etabliert haben. Bei anhaltender Marktschwäche wären viele dieser Unternehmen aus dem Markt ausgeschieden. Durch den konjunkturellen Aufschwung erhalten sie aber - ohne eigenes Zutun - plötzlich Aufträge, weil die im Markt besser aufgestellten Unternehmen an ihre Kapazitätsgrenze kommen und Aufträge ablehnen.
Kaisersesch, 25.01.2007. Neue Aufträge, ein dickes Umsatzplus, nach einer langen Durststrecke in der Rezession schreiben sich Unternehmer diese positive Entwicklung gerne selber zu. Prinzipiell ist dies nicht schädlich, leider führt dieses Denken in der Praxis aber immer auch zu der fatalen Fehleinschätzung, es sei es ist alles in Ordnung im Unternehmen und es müsse nichts geändert werden. Gerade junge Unternehmer vernachlässigen die Einrichtung interner Steuerungs- und Informationsinstrumente. Oft wollen sie die Ausgaben für einen versierten Controller zu sparen, häufiger unterschätzen sie auch die Brisanz falscher betriebswirtschaftlicher Entscheidungen für ihr Unternehmen.
Die Anzahl der Konkurse geht im Boom zurück. Das heißt aber nicht, dass es gefährdete Unternehmen wirklich besser geht. Es ist allgemeiner wissenschaftlicher Konsens, dass der Weg in die Insolvenz in mehr oder weniger abgrenzbaren, in der Regel zeitlich nacheinander folgenden Phasen erfolgt. Unternehmenskrisen beginnen immer als Strategiekrise. Aus dieser entwickelt sich - bei Nichtstun - eine Rentabilitätskrise und später eine Erfolgs- und Liquiditätskrise. Am Ende steht die nicht mehr steuerbare Krise: die Insolvenz.

- Der Weg in die Insolvenz (Quelle: W. Gleißner, K. Füser, 2002)
Im wirtschaftlichen Aufschwung wird diese Entwicklung überdeckt von einem scheinbaren Markterfolg. Konjunkturbedingte Zusatzumsätze spülen zwar Geld in die Unternehmenskasse, die Margenschwäche als Kennzeichen einer Rentabilitätskrise verändert sich aber z.B. nicht. Ein Unternehmensgewinn entsteht allenfalls aus der Fixkostendegression. Der Unternehmenserfolg steigt zwar, aber nur mit der Anzahl der zusätzlichen Aufträge. Die Deckungsbeiträge bezogen auf die Einzelprodukte verbleiben auf dem vorhandenen niedrigen Niveau. Baut jetzt der Unternehmer angesichts des Scheinerfolges noch Kapazitäten auf, so ist er im kommenden wirtschaftlichen Abschwung stärker gefährdet als vorher.
Was in der Rezession gilt ist auch nicht anders im Boom. Die Führung eines Unternehmens verlangt interne Steuerinstrumente. An erster Stelle steht hier neben einer zeitnahen kontinuierlichen Buchführung ein Minimum an Controllingelementen. Notwendig sind solide Monatsabschlüssen bestehend aus GuV und Bilanz, eine funktionierende Kosten- und Leistungsrechnung, Soll - Ist - Vergleiche mit Begründung der Abweichungen zu Planunwerten und eine vernünftige Vor- und Nachkalkulation. Wünschenswert wäre auch eine aussagefähige Finanzplanungsrechnung. Das Führen eines Unternehmens ohne Controlling gleicht einer Autofahrt auf einer Autobahn, ohne Sicht nach vorne, ohne Informationen über den Zustand des Autos und ohne Kenntnis über den Weg. Im konjunkturellen Boom kommt hinzu, dass diese Fahrt mit hoher Geschwindigkeit erfolgt.
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