Vespa: ein Transportkonzept setzt sich durch

- Vespa P200E Bj. 1981
Im Jahr 1996 feierte die klassische Vespa (Hersteller ist die Firma Piaggio in Norditalien) Ihr 50. Jubiläum. Kurz nach dem Krieg als Notbehelf entstanden, eroberte Sie in dieser Zeit den ganzen Erdball und die Herzen der Menschen im Sturm.
Neben der Vespa überlebte fast kein einziger Hersteller von Kleinmotorrädern oder -rollern den Niedergang der Zweiradindustrie in den 70ern - Namen wie Sachs, Zündapp oder Kreidler sind Vergangenheit oder leben als ausländische Lizenzbauten auf einem anderen Qualitätsnieveau als dem ursprünglichen weiter.
Heute werden die "klassischen" Vespa, also die mit Blechkarosserie und Baujahr vor 1996, von ihren Fans gehegt und gepflegt. Mit der ET4 kam 1996 eine nüchterne und notwendige Weiterentwicklung im Plastikkleid, die mit ihrem 4-Takt-Motor das neue Zeitalter bei Piaggio einläutete.
Was hat die klassische Vespa so lange leben lassen?
Angefangen hat die Piaggio-Story im Jahr 1884 in der Nähe von Genua. Dort wurden Innenausstattungen für Passagierschiffe gebaut, ab 1901 auch solche für die Eisenbahn. Im Jahr 1915 wurde mit dem Einstieg in das Luftfahrgeschäft der Grundstein für den Bau der Vespa gelegt - das Konzept des kleinen Flitzers stammt nämlich, wie wir später noch sehen werden- aus der Luftfahrt ab. Im Jahr 1924 erstand der Piaggio-Konzern das Werk in Pontederra/Nordtoskana, in der nach dem 2. Weltkrieg die Vespa entstehen sollte.
Die Erfindung der Vespa nach dem 2. Weltkrieg
In dem Werk in Pontederra wurden während des 2. Weltkriegs Flugzeuge und anderes Kriegsgerät gebaut, was durch einen Bombenangriff der Amerikaner ein jähes Ende fand. Nach Kriegsende wurden zunächst, wie auch bei BMW in Deutschland, zivile Produkte wie Kochtöpfe und Pfannen produziert. Für Firmenchef Dottore Enrico Piaggio und die anderen Ingenieure, die z.B. wie Corradino d'Ascanio, der vorher Hubschrauber entwickelte, war diese Zeit frustrierend
Die Herren entschlossen sich, ein rassiges Produkt zu entwerfen, mit dem sich ordentlich Geld verdienen lassen sollte, und selbstverständlich sollte es dem Motorrad mit seiner öltriefenden Kette technisch überlegen sein.
So entstand 1946 der erste Prototyp "V.98" und erregte gewaltig Aufsehen, weil viele konstruktiven Details dem Flugzeugbau entlehnt waren. Das Bauprinzip war für mindestens 50 Jahre gut:
- selbsttragende Karosserie aus gepreßtem Stahlblech
- Guter Wetterschutz
- Trittbretter auf denen Fahrer und Sozia bequem die Füße abstellen können
- Direkt angetriebenes Hinterrad
- untereinander austauschbare Räder mit geteilten Felgen.
Die Geschichte der Vespa ab 1950 bietet ebenfalls eine Menge spannende Details und kann auf der Seite www.vespa-p200e.de nachgelesen werden, wo sich auch noch mehr Details zur Technik finden.
Technische Details
Die Idee hinter dem Konzept der Vespa war es, ein Fahrzeug zu entwickeln, das Komfort und eine gute Straßenlage sowie und Langlebigkeit und Zuverlässigkeit bot. Was die Langlebigkeit anbelangt so genossen die klassischen Vespa einen hervorragenden Ruf, der 2-Takt-Motor der neueren Modelle waren für problemlose 100.000 und mehr Kilometer gut
Der Motor war bereits 1946 liegend angeordnet und durch ein Gebläse gekühlt. Durch die Anbringung war es notwendig geworden, das Hinterrad leicht nach links zu versetzen, was die Straßenlage. vor allem in Kurven, etwas gewöhnungsbedürftig macht. Bei den geringen erzielten Geschwindigkeiten (VMax ca. 100 km/h) war das aber gut zu beherrschen.
Der Hubraum betrug anfangs 98 ccm und die Höchstgeschwindigkeit lag damit 1946 bei bereits beachtlichen 60 km/h. Die alten Vespa-Getriebe wurden über ein Gestänge vom Handgriff geschaltet, ab 1951 übernahmen Bowdenzüge diese Aufgabe. Die Ursprungsvespa vereinte weiterhin einen spiralgefederten Solositz, klappbaren Kickstarter, einen verchromten und nicht verkleideten Motorradlenker und einen torpedoförmigen Scheinwerfer auf dem vorderen Kotflügel, der wie das Bugrad eines Sportflugzeugs geformt war. Die kleinen Acht-Zoll-Räder fanden auch bei Schubkarren ihre Verwendung. Die spätere Entwicklung brachte eine Menge fortschrittlicher Details, die die Vespa zum Dauerbrenner machten.
Autor: M. Plank
