Datum: 31.07.2010

Warum sind die Versicherungssysteme in der Krise?



Ständig hört man in den Medien davon, dass unsere Sozialversicherungssysteme kaum mehr bezahlbar wären und dass trotz steigender Beitragssätze immer wieder Probleme auftauchen,die gegenwärtige soziale Sicherung aufrecht zu erhalten. Die Renten-, Arbeitslosen-, und Krankenversicherung, so wie wir sie heute kennen, wurde in ihren wesentlichen Prinzipien in den Jahren des Wirtschaftswunders nach dem zweiten Weltkrieg eingeführt. Dies war eine Zeit, die keinesfalls schon von ausuferndem Wohlstand geprägt war und nicht wenige Menschen stellen sich die Frage, warum man sich heute nach Jahrzehnten des Wirtschaftswachstums nicht mehr jene Sicherungssysteme leisten können soll, die in den Jahren nach dem Krieg bereits bezahlbar waren? Im Zusammenhang mit der Rentenversicherung mag dies noch nachvollziehbar sein, wurde hier ein Umlageprinzip der Generationen eingeführt, das nur solange tatsächlich tragfähig die Aufwendungen der Rentner bezahlen konnte, wie für ein stetes Wachstum der Bevölkerung gesorgt wurde. Dieses Prinzip verlor aber schon mit Einführung der Anti-Babypille und anderer Verhütungsmaßnahmen seine Gültigkeit, da nicht mehr davon ausgegangen werden konnte, dass eine Vielzahl von Arbeitnehmern in der Zukunft vorhanden sei, um den Lebensunterhalt weniger Rentner zu sichern. Die Alterspyramide zeigt heute ein völlig gegenteiliges Bild. Doch auch die Krankenversicherung ist seit Jahren in einer steten Krise und mit fortwährend neuen Gesundheitsreformen wird versucht, dieser Entwicklung entgegen zu steuern. Bislang nur mit mäßigem Erfolg, haben doch alle diese Neuregelungen bisher zu keiner tatsächlichen Gegenmaßnahme der stetig steigenden Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung geführt. Die PKV also die private Krankenversicherung ist hiervon bislang noch nicht in gleichem Maße betroffen. Worin mögen die Ursachen begründet sein, dass es heute kaum mehr möglich ist, die Kosten für die Gesundheitsversorgung der Menschen zu decken? Sind die Menschen heute weniger gesund, als sie dies in den 1950er Jahren waren, als die sozialen Sicherungssysteme ihre Entwicklung fanden? Teilweise ist diese Frage mit ja zu beantworten. Allerdings nicht deshalb, weil der Mensch von heute weniger gesund lebt, sondern weil er ein höheres Lebensalter erreicht, in dem er auch häufiger medizinische Dienste in Anspruch nehmen muss. Aber auch der technische Fortschritt in der Medizin ist ein nicht unwesentlicher Grund. Ein anderer Grund ist in wirtschaftlichen Entwicklungen zu sehen. Ein Großteil der medizinischen Versorgung arbeitet heute nach den Prinzipien der Marktwirtschaft und die Pharmaindustrie geht schrittweise vom Prinzip der Preisgestaltung aufgrund der Herstellungskosten ab und bestimmt den Wert eines Medikamentes zunehmend aufgrund des potentiellen Leidensdrucks des Patienten. Die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung werden jedoch aus den Lohnnebenkosten erwirtschaftet und folgen somit anderen Prinzipien als den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Hieraus ergibt sich eine stetig wachsende Schere der Ausgaben der Krankenversorgung, die sich zunehmend nach marktwirtschaftlichen Kriterien bestimmt und den Einnahmen der Krankenkassen, die nach anderen Kriterien bemessen werden müssen.

 

Autor: Andreas Mettler 
presse(at)mettlerweb.de

 


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